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Horizontale Merkmale des Programms „Europa für Bürgerinnen und Bürger“

Die Projektträger werden ersucht, die folgenden wichtigen horizontalen Merkmale bei der Durchführung ihrer Projekte für das Programm „Europa für Bürgerinnen und Bürger“ zu berücksichtigen.

Förderung europäischer Wertvorstellungen

Damit die Bürger/innen die europäische Integration uneingeschränkt unterstützen und ein Gefühl der Zugehörigkeit zur Europäischen Union entwickeln, sollten gemeinsame europäische Werte, die gemeinsame Geschichte und Kultur betont werden. Freiheit, Demokratie und Wahrung der Menschenrechte, kulturelle Vielfalt, Toleranz und Solidarität gehören zu diesem Wertekanon. Die Projektträger sollten überlegen, wie diese Wertvorstellungen in ihren Projekten zum Ausdruck gebracht werden können. Besonderes Augenmerk sollte auf die Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz gerichtet werden.

Informelles Lernen für eine aktive europäische Bürgerschaft

Die Kommission hat zehn Schlüsselkompetenzen ermittelt, die jeder Bürger erwerben sollte. Dazu gehören interpersonelle, interkulturelle und soziale Kompetenzen ebenso wie die staatsbürgerliche Kompetenz.

Diese Kompetenzen sind folgendermaßen definiert: Sie erstrecken sich auf sämtliche Verhaltensweisen, die Menschen dazu befähigen, sich wirksam und konstruktiv am gesellschaftlichen Leben und am Arbeitsleben zu beteiligen, insbesondere in immer vielfältiger werdenden Gesellschaften, und gegebenenfalls auftretende Konflikte zu lösen. Die staatsbürgerliche Kompetenz befähigt Menschen dazu, sich auf der Grundlage ihres Wissens über die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse und Strukturen und ihres Engagements für aktive und demokratische Partizipation uneingeschränkt am staatsbürgerlichen Leben zu beteiligen.

Das Programm „Europa für Bürgerinnen und Bürger“ bietet Bürgern wichtige Möglichkeiten, Fähigkeiten und Kompetenzen durch informelles und nicht-formales Lernen in einem europäischen Kontext zu erwerben. Beispielsweise können Bürger durch Vorbereitung von bzw. Teilnahme an Bürgerbegegnungen im Rahmen multinationaler Städtepartnerschaften neue Fähigkeiten für den Austausch mit Menschen aus anderen Ländern oder mit einem anderen Hintergrund entwickeln. Durch die Beteiligung an Bürgergremien auf europäischer Ebene entwickeln Bürger ein besseres Verständnis für europäische Fragestellungen und sind dadurch vielleicht eher bereit, sich aktiver an demokratischen Entscheidungsprozessen auf allen Ebenen zu beteiligen.

Ehrenamtliche Arbeit - Ausdruck einer aktiven europäischen Bürgerschaft

Ehrenamtliche Arbeit stellt ein wesentliches Element einer aktiven Bürgerschaft dar: Indem ehrenamtliche Helfer ihre Zeit zum Wohle anderer einsetzen, leisten sie einen Dienst an ihrer Gemeinschaft und spielen eine aktive Rolle in der Gesellschaft. Sie entwickeln ein Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft und übernehmen damit auch Verantwortung für die Gemeinschaft. Ehrenamtliche Arbeit ist somit ein besonders wirksames Mittel, um das Engagement von Bürgern für ihre Gesellschaft und für das politische Leben zu mobilisieren. Zivilgesellschaftliche Organisationen, Verbände von europäischem Allgemeininteresse, Vereinigungen für Städtepartnerschaften und andere teilnehmende Einrichtungen stützen sich häufig auf ehrenamtliche Arbeit bei der Durchführung und Entwicklung ihrer Aktivitäten. Daher genießt die Förderung der ehrenamtlichen Arbeit im Rahmen dieses Programms einen besonderen Stellenwert.

Transnationalität und lokale Dimension

Aktive europäische Bürgerschaft kann nur in einem Umfeld konkret erlebt werden, das über eine nationale Vision hinausgeht. Transnationalität ist somit ein wichtiges Merkmal dieses Programms, das auf verschiedene Weise zum Ausdruck gebracht werden kann:

  • Für das Projekt kann ein länderübergreifendes Thema gewählt werden, das aus europäischer Perspektive behandelt wird oder die Gegenüberstellung verschiedener nationaler Standpunkte beinhaltet. Ein solches länderübergreifendes Thema kann umgesetzt werden, indem entweder Menschen mit unterschiedlichem nationalem Hintergrund direkt eine Stimme geliehen wird oder Menschen mit einem originellen, länderübergreifenden Standpunkt Gelegenheit zur Meinungsäußerung erhalten.
     
  • Der länderübergreifende Charakter kann sich auch aus der Art der Projektträger ableiten: So kann das Projekt durch Zusammenarbeit mehrerer Partnerorganisationen aus verschiedenen Teilnehmerländern entwickelt und durchgeführt werden.
     
  • Transnationalität kann auch erreicht werden, indem ein Projekt direkt auf die Öffentlichkeit in oder aus verschiedenen Ländern zugeschnitten wird oder indem die Ergebnisse des Projekts grenzüberschreitend verbreitet werden und somit indirekt ein europäisches Publikum erreichen.

Zudem sollten die Projektträger die transnationale Dimension ihres Projekts betonen, eventuell auch durch Kombination der oben genannten Merkmale. Diese transnationale Dimension sollte von einer ausgeprägten lokalen Dimension begleitet werden. Zur Überbrückung der Kluft zwischen den Bürgern und der Europäischen Union kommt es vor allem darauf an, dass die von diesem Programm geförderten Projekte oder Aktivitäten die Bürger in ihrem Alltag mit Fragestellungen erreichen, die für sie von Bedeutung sind.

Förderung kultureller und sprachlicher Vielfalt

Die Europäische Kommission hat sich dem Ziel verschrieben, die kulturelle und sprachliche Vielfalt durch verschiedene Initiativen und Programme zu fördern. Das Programm „Europa für Bürgerinnen und Bürger“ kann zur Verwirklichung dieser Ziele beitragen, indem sie europäische Bürger verschiedener Nationalitäten und Sprachen einander näher bringt und ihnen Gelegenheit gibt, sich an gemeinsamen Aktivitäten zu beteiligen. Die Beteiligung an solchen Projekten soll den Bürgern die große Vielfalt an Sprachen und Kulturen in Europa bewusst machen. Diese Initiative soll das gegenseitige Verstehen und die Toleranz fördern und dadurch zur Entwicklung einer respektvollen, dynamischen und facettenreichen europäischen Identität beitragen. Die Projektträger sollten in ihrem Antrag beschreiben, wie sich ihr Projekt diesen Themen nähert.

Synergieeffekte

Das vorliegende Programm verfolgt klare und kohärente Ziele, die durch verschiedene, einander ergänzende Aktionen erreicht werden sollen. Diese Aktionen sprechen verschiedene Arten von Einrichtungen an. Synergien und größere Multiplikatoreffekte können durch die Zusammenarbeit dieser verschiedenen Arten von Einrichtungen innerhalb dieses Programms erzielt werden. Beispielsweise könnte eine Städtepartnerschaftskonferenz, auf der soziale Themen erörtert werden, von der Beteiligung lokaler Verbände profitieren, die auf diesem Gebiet tätig sind. Ein Think-Tank könnte in Zusammenarbeit mit einer europäischen Nichtregierungsorganisation neue Methoden der Bürgerbeteiligung verwirklichen. Ein Verband, der für das Gedenken an die Deportationen zuständig ist, könnte Bürger aus Partnerstädten an der Ausrichtung einer Gedenkfeier beteiligen. Das Potenzial einer solchen „gegenseitigen Befruchtung“ ist immens. Daher verdienen Projekte, die verschiedene Arten von Einrichtungen einbeziehen, besondere Aufmerksamkeit.

Gleichberechtigter Zugang zum Programm

Der Grundsatz der Nichtdiskriminierung gehört zu den Grundrechten in der Europäischen Union. Antidiskriminierung bildet ein Kernelement im Programm „Europa für Bürgerinnen und Bürger“, das auf alle Bürger ausgerichtet ist. Daher sollte der Zugang zu den Projekten für alle europäischen Bürger gewährleistet sein, also auch für Personen mit rechtmäßigem Wohnsitz in Europa und ohne jegliche Form von Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts, der Rasse oder ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Orientierung.

Die Projektträger sollten auf Chancengleichheit für alle achten, wobei besondere Aufmerksamkeit auf die Gleichbehandlung von Männern und Frauen sowie älteren Bürgern zu richten ist.

Der Grundsatz des gleichberechtigten Zugangs zum Programm schließt nicht die Gewährung von Zuschüssen für Aktivitäten aus, die vorrangig auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet sind (z. B. Menschen mit Behinderung, Jugendliche, Frauen usw.).

Geschlechtergleichgewicht
Die Europäische Kommission setzt sich aktiv für die Förderung der Chancengleichheit für alle ein, insbesondere für die Gleichstellung von Frauen und Männern. Alle Mitgliedstaaten haben entschieden, den Gleichbehandlungsgrundsatz für Männer und Frauen (oder „Geschlechtergleichstellung“) in allen Politiken und Aktionen auf EU-Ebene, insbesondere in den Bereichen Bildung und Kultur, zu berücksichtigen.

Das Programm „Europa für Bürgerinnen und Bürger“ zielt auf die Verwirklichung einer ausgewogenen Beteiligung von Männern und Frauen an den geförderten Projekten, und zwar nicht nur global, sondern auch innerhalb jeder Maßnahme. Auf Programmebene bedeutet dies, dass soweit wie möglich geeignete Maßnahmen ergriffen werden sollten, um das Interesse und die Beteiligung des weniger stark vertretenen Geschlechts bei jeder Maßnahme zu fördern.

Solidarität zwischen den Generationen
Demografische Veränderungen bilden eine der wesentlichen Herausforderungen, die auf Europa in den nächsten Jahren zukommen, und stellen ein Risiko für den Zusammenhalt der Gesellschaft dar. Die Ziele dieses Programms können nicht zufrieden stellend verwirklicht werden, wenn eine große Gruppe von Bürgern, nämlich die Senioren, außer Acht gelassen wird. Die Projektträger werden ersucht, sich mit dieser Problematik in ihrem Projekt zu befassen und die Beteiligung älterer Bürger zu fördern. Zudem kommt diesen Bürgern eine besondere Rolle als Zeitzeugen bei der Entstehung des heutigen Europas zu. Daher sollte besondere Aufmerksamkeit auf die Förderung des Austausches und der Solidarität zwischen den Generationen gerichtet werden. Die Projekte sollten soweit wie möglich alle Altersgruppen in die vorgeschlagenen Aktivitäten einbeziehen.
 

Öffentlichkeitswirkung, Valorisierung und Verbreitung

Öffentlichkeitswirkung des Programms
Alle im Rahmen des Programms „Europa für Bürgerinnen und Bürger“ finanzierten Aktivitäten müssen zur Förderung dieses Programms beitragen. Die Verstärkung der Öffentlichkeitswirkung des Programms „Europa für Bürgerinnen und Bürger“ bedeutet beispielsweise, dass die im Rahmen des Programms finanzierten Aktivitäten und Produkte die Finanzhilfe der Kommission eindeutig angeben müssen (unter anderem durch Verwendung europäischer Logos). Die Unterstützung durch die Kommission muss auch in den Beziehungen zu den Medien verdeutlicht werden.

Die Projektpartner sollten jede Gelegenheit nutzen, um eine angemessene Berichterstattung in den Medien (lokal, regional, national, international) für ihre Aktivitäten sicherzustellen, und zwar vor und während der Projektdurchführung.

Dadurch soll einerseits erreicht werden, dass sich alle Teilnehmer ihrer Beteiligung an einem europäischen Programm bewusst werden, andererseits aber auch der breiten Öffentlichkeit vermittelt werden, dass die Europäische Union ein Projekt von guter Qualität unterstützt, das sie wirklich interessiert und das ohne diese Unterstützung nicht zustande gekommen wäre.

Die Öffentlichkeitswirkung ist hauptsächlich während der Projektdurchführung sicherzustellen. Daher sollte sie im Arbeitsprogramm des Projekts miteinbezogen werden.

Zur Sicherstellung der Öffentlichkeitswirkung dieses Programms wird die Kommission auch ihre Zusammenarbeit mit den Behörden der teilnehmenden Länder weiterentwickeln.

Valorisierung und Verbreitung der Ergebnisse
Unter Valorisierung ist der Prozess der Verbreitung und Nutzung der Projektergebnisse mit dem Ziel zu verstehen, deren Wert zu optimieren, deren Wirkung zu verstärken und zu erreichen, dass die größtmögliche Zahl europäischer Bürger einen Nutzen daraus zieht.

Dieses Ziel der Valorisierung hat drei Auswirkungen:

  • Mobilisierung des Potenzials der einzelnen Projekte
    Für jedes Projekt, das durch dieses Programm gefördert wird, sollten die notwendigen Anstrengungen zur Sicherstellung seiner Valorisierung unternommen werden. Die Projektträger sollten Aktivitäten durchführen, die darauf ausgerichtet sind, die Ergebnisse ihrer Projekte sichtbarer, bekannter und nachhaltiger zu machen. Dies bedeutet, dass die Ergebnisse eines Projekts nach dessen Abschluss weiterhin genutzt werden und eine positive Wirkung auf die größtmögliche Anzahl von Bürgern ausüben. Durch Miteinplanung von Valorisierungsaktivitäten in ihre Projekte erhöhen die Projektträger die Qualität ihrer Arbeit und tragen aktiv zur Gesamtwirkung des Programms „Europa für Bürgerinnen und Bürger“ bei.
     
  • Strukturierung des Programms
    Dieses Programm wurde so konzipiert, dass eine größtmögliche Wirkung sichergestellt wird, beispielsweise durch die Festlegung von Prioritäten, die für das gesamte Programm gelten, oder durch die Vernetzung von Einrichtungen, die einschlägige Erfahrungen in demselben Themenkreis gesammelt haben. Die Aktion „Gemeinsam für Europa“ spielt in diesem Kontext eine besondere Rolle.
     
  • Von der Europäischen Kommission eingeleitete Maßnahmen
    Die Europäische Kommission wertet zunächst den Stand der Valorisierung im Rahmen dieses Programms aus und führt dann verschiedene Aktivitäten zur Stärkung dieser Dimension und Unterstützung der Projektträger im Hinblick auf diesen Aspekt durch.
Zuletzt aktualisiert: 16/01/2014  Drucken | Seitenanfang